AgrarmeteorologieEine witterungsgestützte Bekämpfungsstrategie für den Erreger der Blattdürre (Septoria tritici)
Die
Witterung übt einen dominierenden Einfluß auf die Populations- und
Schadensdynamik der Krankheitserreger aus. Septoria tritici, der Erreger
der Blattdürre im Weizen, stellte in den vergangenen Jahren überregional
das Hauptschadpathogen in einem Weizenbestand dar. Bisher existierten keine
geeigneten Meßtechniken, um das Ausbreitungsmuster von Septoria tritici
im Zusammenhang mit den essentiellen Witterungskriterien, speziell der Blattnässe,
für eine erfolgreiche Infektion interpretieren zu können. Mit der
von WEIHOFEN²
entwickelten Meßtechnik und der mehrjährigen Überprüfung
und Kalibrierung von VERREET
und KLINK ¹ sowie CEYNOWA³
steht der landwirtschaftlichen Praxis mit dem Septoria Timer ein Gerät
zur Verfügung, welches den Fungizideinsatz auf ein Minimum reduziert bei
einer gleichzeitig hohen biologischen Kontrolle des Erregers.
Aus den Untersuchungen zur Ableitung einer Bekämpfungsstrategie für Septoria tritici konnte ermittelt werden, daß ein Fungizideinsatz zum sichtbaren Epidemiebeginn im Feldbestand nur zu fungiziden Teilerfolgen führt, begründet durch die ausgeprägte Divergenz zwischen der Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Sichtbarwerden der ersten Symptome) von vier Wochen des Erregers und der kurativen Leistung moderner Fungizide von maximal zehn Tagen. Somit muß eine Bekämpfungsstrategie sich am Infektionszeitpunkt des Erregers orientieren. Die Konzentrierung der Applikationsterminierung auf ein witterungsspezifisches Infektionsereignis im Zusammenhang mit einem Ausgangsbefall von 50% Befallshäufigkeit auf der Blattetage F-6 führte zum Durchbruch in der biologischen und ertraglichen Kontrolle des Hauptschadpathogens in der Weizenkultur. Der Septoria Timer ist mittlerweile Bestandteil des Integrierten Pflanzenschutzsystems Weizen (IPS Modell Weizen) und des Pflanzenschutzdienstes des Landes Schleswig-Holstein.
Das Gerät besteht aus einem Blattbenetzungsgeber und einem Datalogger nach WEIHOFEN. Der Septoria Timer registriert den Beginn und die Dauer der Benetzung des Weizenbestandes. Aus diesen Meßwerten errechnet der Datalogger den Beginn einer Septoria tritici-Infektion. Erfolgte Infektionen werden über ein Display leicht verständlich angezeigt. Die Blattbenetzung wird mit Hilfe eines mehrlagigen Baumwollstreifen simuliert, dessen Leitfähigkeit in Beziehung zum Prozentsatz benetzter Pflanzen in der Weizenkultur steht. Die Stromversorgung erfolgt durch eine 4,5-Volt Flachbatterie, die für zwei Jahre ausreicht. Der Septoria Timer ist somit unabhängig vom Stromnetz und flexibel in der Aufstellung im Feldbestand. Nach zwei Jahren ist eine Wartung des Gerätes notwendig.
Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel; Institut für Phytopathologie, Abteilung für Pflanzenkrankheiten
und Pflanzenschutz¹
Georg-August-Universität
Göttingen, Institut für Numerische und Angewandte Mathematik²
Amtlicher
Pflanzenschutzdienst des Landes Schleswig-Holstein ³